Das Canopy bildet eines der prägendsten Elemente von CityWave in Mailand. Das von BIG – Bjarke Ingels Group entworfene Projekt vollendet das Stadtquartier CityLife. Die rund 140 m lange, zwischen den beiden Hauptgebäuden RD und RE angeordnete Holzdachkonstruktion überspannt als doppelt gekrümmtes Hängetragwerk eine Fläche von etwa 4.500 m² und schafft einen überdachten öffentlichen Raum.
HB Holzner & Bertagnolli Engineering, verantwortlich für die Tragwerks- und Geotechnikplanung des Gesamtprojekts, entwickelte das statische Konzept des Canopy sowie dessen vollständige Integration in die Tragstruktur der beiden Hochbauten.
Aus tragwerkstechnischer Sicht handelt es sich nicht um eine eigenständige Überdachung, sondern um ein hochgradig gekoppeltes Gesamtsystem. Die aus dem Hängetragwerk resultierenden Einwirkungen werden über die Dachtragwerke von RD und RE in die Stahlbetonkerne und anschließend in die Gründung eingeleitet. Die Planung erforderte daher die Entwicklung eines integralen Tragwerksmodells, das Geometrie, Steifigkeiten, Tragwiderstände und Verformungen unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen zwischen sämtlichen relevanten Bauteilen erfasst.
Tragwerkskonzept und Lastabtragung
Das statische Grundprinzip des Canopy basiert auf einem zwischen den beiden Gebäuden gespannten Seilsystem ohne Zwischenstützen.
Die von der Dachfläche aufgenommenen Einwirkungen werden über das primäre Seilsystem auf die Gebäude RD und RE übertragen. Im Bereich der Dachanschlüsse entstehen horizontale Kräfte in einer Größenordnung von etwa 12.000 bis 15.000 kN, die von den Dachtragwerken aufgenommen und über die Stahlbetonkerne in die Gründung weitergeleitet werden.
Aufgrund dieser starken gegenseitigen Beeinflussung kann das Tragverhalten nicht durch eine isolierte Betrachtung einzelner Bauteile beschrieben werden. Die tatsächliche Systemantwort ergibt sich aus dem Zusammenwirken von Seiltragwerk, Holztragplatte, Dachtragwerken, Stahlbetonkernen und Fundamenten. Maßgebend sind dabei sowohl die Steifigkeitsverhältnisse der einzelnen Komponenten als auch deren Verformungskompatibilität.









